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Vorwort
An der Erarbeitung und Entwicklung dieses Leitbildes waren fast alle Mitarbeiter beteiligt. Eine kleine Arbeitsgruppe hat letztendlich alle Ideen, Gedanken und Vorschläge zusammengetragen, ausdiskutiert und alles zu einem Gesamtbild zusammengefasst.
Unser Leitbild soll und kann keine für alle Zeit festgeschriebene Richtlinie sein, da die Entwicklung, das Wissen im Allgemeinen und die Pflegewissenschaft im Besonderen ständig im Fluss sind und den vielfältigen, gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen unterliegen. Wir verstehen unser Leitbild als kleine Arbeitsgrundlage und Orientierung, die auch weiterhin diskutiert, aktualisiert und ständig verändert wird. Damit verknüpfen wir auch die Hoffnung auf einen regen Gedankenaustausch und ein ständiges Nachdenken über die eigenen Einstellungen sowie Überzeugungen im Bereich der Pflege
Häusliche Pflege und professionelle Pflegepraxis
Es werden mehr als eine Million pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt. Diese Arbeit wird im Großteil von Angehörigen, vorwiegend Frauen geleistet. Durch die Zunahme hochbetagter pflegebedürftiger Menschen und einer Ausweitung von chronisch degenerativen Erkrankungen steigt der Bedarf an professioneller häuslicher Pflege. Diese personenbezogene Dienstleistung wird von beruflich Pflegenden erbracht. Die Anforderungen an uns Pflegende und die geforderten Kompetenzen sind im Lauf der Jahre enorm gestiegen. Die Realität in der häuslichen Pflege stellt sich als eine komplexe und immer wieder anders gestaltete Pflegesituation dar.
Eine grundlegende Forderung der häuslichen Pflege ist, dass die pflegebedürftigen, kranken und behinderten Patienten weitestgehend ihre Autonomie und ihre Selbständigkeit behalten bzw. wiedererlangen und damit in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Wir Pflegende müssen daher Ansätze kennen und anwenden, die zur Förderung der Ressourcen und der Rehabilitation der Patienten trotz einer Gesundheitseinschränkung beitragen.
Die Beratung, Unterstützung sowie das Anleiten von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gehört mit zum Spektrum von professioneller häuslicher Pflege.
An der Gesamtversorgung zu Hause sind in der Regel verschiedene Berufsgruppen beteiligt. Wir möchten mit anderen Gesundheitsfachberufen in enger Kooperation zusammen arbeiten. Uns kommt die Rolle der zentralen Ansprechpartner und Mittler zwischen allen Beteiligten zu.
Wir müssen über Entscheidungs- und Handlungskompetenzen verfügen, welche auf pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Wir tragen dabei sowohl die Planungs- als auch die Durchführungsverantwortung für unser pflegerisches Handeln.
Die kritische Reflexion der eigenen Werte und Standpunkte soll uns zur Ausbildung eines ethisch-moralischen Bewusstseins verhelfen und ein verantwortungsvolles Arbeiten ermöglichen.
Im Mittelpunkt unseres Handelns steht die Beziehung zwischen dem pflegebedürftigen Menschen, seinen Angehörigen und uns den Pflegenden in der Lebenswelt des Betroffenen.
Das setzt die Fähigkeit voraus, sich in schwierigen Situationen auch auf andere Menschen einstellen zu können, auf sie einzugehen und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen.
Von besonderer Bedeutung ist für uns die Kommunikation zwischen allen Beteiligten, vor allem auch die nonverbale, in Form von Körperkontakt und Berührung.
Zu den psychosozialen und kommunikativen Fähigkeiten gehört die praktisch- technische Kompetenz, das heißt das richtige „Handling“, die Beherrschung von Pflegetechniken und der Umgang mit Hilfsmitteln zur Grundlage unseres professionellen Pflegehandelns.
Die Internalisation und Beherrschung dieser unterschiedlichen Kompetenzen sollen zu einem eigenständigen und professionellen Habitus der Pflegenden und zu einer spezifischen „pflegerischen Kultur“ führen. Dieses setzt jedoch die Bereitschaft für ein ständiges Weiterlernen auch nach abgeschlossener Berufsausbildung voraus.
Handlungsfelder beruflicher Pflege
Gesundheitspflege
Wir gehen in der häuslichen Pflege in erster Linie von einem gesunden Menschen aus. Trotz Einschränkungen in der Gesundheit, sind viele pflegebedürftige Menschen in der Lage, ihre Selbstpflege weitestgehend zu gewährleisten. In vielen Fällen benötigen sie aber die Beratung, Anleitung und Unterstützung. Hauptsächlich in den Fragen der Ernährung, der Bewegung und des richtigen Atmens.
Wir Pflegende haben hier vielfältige pädagogische Aufgaben.
Die gesundheitsfördernden Maßnahmen sollen das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erhalten, wenn nicht sogar verbessern.
Bei der Verhaltensprävention, die sich am einzelnen Menschen und seinem Verhalten orientiert, legen wir großen Wert auf die umgebenden Bedingungen und Verhältnisse, die die Gesundheit beeinflussen.
Gesund zu bleiben und sich gut zu fühlen ist hauptsächlich von äußeren Faktoren abhängig wie z. B. die Wohnsituation, die Umweltbelastung, die Erreichbarkeit von sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen, den Freizeitmöglichkeiten und nicht zuletzt von der ökonomischen Situation der Betroffenen. Hier können und müssen wir Pflegenden uns zu Interessenvertretern der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen machen.
Krankenpflege
Das häufige Auftreten von chronisch-degenerativen Erkrankungen und die Multimorbidität im Alter verlangen nach einer den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichteten Pflege sowie Langzeittherapie. Unser pflegerisches Handeln ist dabei auf die Unterstützung und Übernahme der Lebensaktivitäten, auch unter Zuhilfenahme technischer sowie medikamentöser Maßnahmen ausgerichtet.
Bei akut auftretenden Gesundheitsproblemen haben die Maßnahmen Priorität, die für die Aufrechterhaltung der wichtigsten Körperfunktionen sorgen. Das bedeutet im Einzelnen das Freihalten der Atemwege bei Betroffenen mit Schluckstörungen oder die entlastende Lagerung bei herzkranken Patienten.
Neben der pflegerischen Kompetenz gehören hierzu auch Kenntnisse aus dem Bereich der Medizin und Pharmakologie. Dieses Wissen ist für sicheres Handeln in Notfallsituationen unerlässlich.
Rehabilitative Pflege
Durch die dauerhafte Einschränkung im Bereich körperlicher, psychosozialer sowie geistigen Fähigkeiten ist eine Pflege erforderlich, welche darauf ausgerichtet ist, mit all diesen Beeinträchtigungen umzugehen, sie zu akzeptieren und wenn es möglich ist, die Ressourcen und Kompetenzen der Betroffenen zu fördern. Ein Wiedererlangen der Fähigkeiten im Bereich der Lebensqualitäten wollen wir durch eine aktivierende und therapeutische Pflege erreichen. Im Bereich dieser Pflege ist eine Einbeziehung der Angehörigen und die enge Zusammenarbeit mit ihnen unerlässlich. Die Angehörigen sind sowohl Mitbetroffene als auch Co-Therapeuten. Es ist ein langer Weg für alle Beteiligten und es fordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Vertrauen von Seiten der Pflegenden.
Palliative Pflege
Wir möchten die uns anvertrauten Menschen betreuen, sie stützen und auf ihrem Weg begleiten, auch wenn es keine Aussicht auf Heilung oder Besserung der Beeinträchtigungen mehr gibt. Wir wollen die pflegebedürftigen Menschen im Umgang mit schweren Schmerzen, beim Sterben und dem Tod sowie den Umgang mit Trauer begleiten. Unsere Hauptaufgabe besteht in der Linderung von Schmerzen, der Zuwendung und Begleitung der pflegebedürftigen Menschen. Allerdings sind wir auch eine Stütze für die Angehörigen. Wir achten das Recht jedes einzelnen Menschen auf ein individuelles Sterben und achten seinen eigenen Tod. Wir betrachten den Tod nicht als Niederlage, sondern als die letzte Phase des Lebens jedes einzelnen Menschen.
Wir tabuisieren Sterben und Tod nicht und geben es auch nicht an die Institution Krankenhaus weiter, sondern durch unsere Pflege haben die Betroffenen die Möglichkeit in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben.
Zentralkategorien der Pflege
Menschenbild
Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum und die Würde des Menschen ist unantastbar. Dies ist für unser Pflegebild leitend. Wir gestehen jedem Pflegebedürftigen seine Autonomie und Selbstbestimmung zu. Entscheidungen und Handlungen zu treffen, sowie die Pflege, all diese Dinge liegen im Verantwortungsbereich des Betroffenen. Bei bewusstseinsgestörten Pflegebedürftigen handeln wir so, wie es unserer Meinung nach im Sinne und vor allem zum Wohl des Betroffenen ist. Dabei sollten wir von den Lebenspartnern, Angehörigen und Freunde des Betroffenen unterstützt werden.
Wir berücksichtigen den Menschen in all seinen Dimensionen soweit es für unsere Pflege von Belang ist. Dazu gehört neben der körperlichen auch die psychosoziale und geistige Ebene.
Umgebung
Ein Mensch kann nicht losgelöst von seiner Umwelt angesehen werden. In der häuslichen Pflege spielt gerade der Aspekt der Umgebung eine große Rolle. Die eigene Wohnung gibt dem Pflegebedürftigen das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Er ist hier in seiner Privatsphäre und umgeben von Dingen, die er kennt. Für bewusstseinsgestörte Menschen bietet die Orientierung Halt im Alltag. Für pflegebedürftige Menschen ist gerade das soziale Umfeld sehr wichtig. Die Unterstützung sowie das Eingebundensein in eine Gesellschaft haben positive Auswirkungen auf den Gesundheitszustand. Wir möchten die Angehörigen gezielt in den Prozess der Pflege mit einbringen und soziale Kontakte der Pflegebedürftigen fördern und erhalten. Dort, wo betroffene Menschen alleine sind und dieses sich auch als Belastung für denjenigen bemerkbar macht, versuchen wir Unterstützung und Hilfe anzubieten.
Gesundheit
Das, was als gesund oder krank angesehen wird, verändert sich im Lauf der Geschichte und wird auch kulturell beeinflusst. Früher wurden nur bestimmte Behinderungen oder Einschränkungen hingenommen. Heute werden sie als behandlungsbedürftig angesehen. Mit Ausnahme von akuten Erkrankungen gibt es mittlerweile keine klare Trennung zwischen Krankheit und Gesundheit. Beides sind auch keine weniger statischen Zustände als dynamische Prozesse. Wir akzeptieren keine Normen für Gesundheit. Was als gesund oder krank empfunden wird, ist immer individuell verschieden. Ist ein Mensch in seinen körperlichen, psychosozialen und geistigen Dimensionen im Einklang mit sich und seinen Möglichkeiten, seinen Lebensumständen und Lebenszielen, so sehen wir diesen Menschen als gesund an. Eine Beeinträchtigung der Gesundheit ist erst vorhanden, wenn sich in diesem Bereich Anforderungen ergeben, die nicht mehr erfüllt oder bewältigt werden können.
Die Einschränkungen der Gesundheit ergeben sich oft aus gesellschaftlichen Bedingungen. Betroffen davon sind insbesondere alte und pflegebedürftige Menschen. Hier sehen wir den Ansatzpunkt für eine gesellschaftliche Position der Pflege.
Pflege
Unter professioneller Pflege verstehen wir ein Pflegehandeln, welches auf (Pflege-) wissenschaftlicher Basis beruht und welches auch entsprechend begründbar ist.
Den theoretischen Bezugsrahmen bilden hierbei Theorien, Modelle und Konzepte der Pflege und deren Bezugsdisziplinen. Beim Pflegehandeln geht es zunächst um das Erkennen und Diagnostizieren des einzelnen Pflegebedarfs. Hierbei spielt die Biografie und Lebenswelt des pflegebedürftigen Menschen eine sehr wichtige Rolle. Anschließend erfolgt die Planung der Pflege, sowie das Festlegen realistischer Pflegeziele, die Durchführung der Pflegemaßnahmen, die Beurteilung und Bewertung des Pflegeerfolges. Die Mitarbeit der Pflegebedürftigen sowie deren Angehöriger ist hierbei unerlässlich.
Ein so verstandenes professionelles Pflegehandeln setzt die Herstellung einer Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten voraus, sowie die Fähigkeit einer analytischen Vorgehensweise im Sinne eines Problemlösungsprozesses.
Die Pflegenden und die Organisation des Gesamtbetriebes
Die ständig wachsenden Anforderungen in der häuslichen Pflege erfordern vielfältige und umfassende Kompetenzen. Die Entwicklung zum erfahrenen Pflegenden und zum Pflegeexperten ist wichtig für eine professionelle berufliche Pflegepraxis. Neben einer langjährigen Berufserfahrung sind dabei die kontinuierlichen Fort- und Weiterbildungen im Sinne eines lebenslangen Lernens unerlässlich.
Unsere Mitarbeiter werden durch inner- und außerbetriebliche Fort- und Weiterbildungen gefördert. Diese gezielte Förderung soll zu einer Steigerung der (pflegerischen und sozialen) Kompetenz beitragen. Die Autonomie und die Kritikfähigkeit sollen dadurch gestärkt werden und dabei gleichzeitig die Arbeits- und Berufszufriedenheit erhöhen. Die Pflegenden „vor Ort“ sind die „Schlüsselfiguren“ für das Erreichen einer hohen Pflegequalität. Eine Orientierung am Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen setzt eine Personalorientierung voraus. Hierzu gehören gezielte Einarbeitungen und Begleitungen für neue Mitarbeiter ebenso wie regelmäßige Teambesprechungen, Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen und eine langfristige Karriereplanung sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Form. Die Organisation und Leitung eines modernen Pflegedienstes verlangt ein professionelles Management. Dabei heißt es betriebswirtschaftliche und ökonomische Aspekte mit professionellem Pflegehandeln sowie der Qualitätssicherung in Einklang zu bringen.
Durch einen kooperativen Führungsstil, offene Kommunikationsstrukturen und Transparenz schaffen wir ein gutes Betriebsklima. Die Arbeitszeiten und Einsatzplanungen sind flexibel, familien- und frauenfreundlich. Dabei werden die Wünsche der Pflegebedürftigen und deren Angehöriger als auch die der Mitarbeiter berücksichtigt.
Kontinuität in der Beziehung Pflegender und Pflegebedürftiger und genügend Zeit für eine adäquate Pflege sind zentrale Forderungen aller Beteiligten. Die Entwicklung eines Bezugspflegesystems u. a. durch die Schaffung von Pflegegruppen ist deshalb ein vorrangiges Ziel.
Angebot des Pflegedienstes
Einmal wöchentlich findet das Cafe „Vier Jahreszeiten“ statt. Dort bieten wir unseren Patienten Sitzgymnastik mit anschließendem Kaffeetrinken und Singen in geselliger Runde an.
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